Atemberaubend und unglaublich – Reiseziel Plastikmeer!

Hast du schon mal an eine Kreuzfahrt gedacht, bei der du so derart unglaubliches siehst und erlebst, dass du es nie wieder vergessen wirst und dir der Atem wegbleibt? Dann solltest du unbedingt eine Reise von Kalifornien nach Hawaii buchen. Dort erfährst du eine Überfahrt die seines gleichen sucht. Vorbei an bunt schillernden Meeresflecken und an der Oberfläche schwimmenden Fischen. Vorbei an springenden Delphinen und krächzenden Albatrossen. Das ist die Reise über das Plastikmeer.

Oceanic gyres

Die fünf großen Oceanic Gyres – BILD: [NOAA] / Wikimedia Commons

So idyllisch diese Reise beschrieben ist, so grausam ist die Wahrheit. Dabei sollte man wissen, dass die Fische mit dem Bauch voran schwimmen, die Delphine um ihr Leben springen und die Albatrosse wahrscheinlich probieren, ein soeben verschlucktes Stück Plastik herauszuwürgen! Denn hier ist die Sprache von einer schleichenden Umweltkatastrophe mit gigantischem Ausmaß! Das bunt schillernde Meer, welches ohne Zweifel beeindruckend scheint, spiegelt dabei die ca. 40 millionen Tonnen feinsten Kunststoffmüll wieder, das sogenannte “ South Pacific Gyre „. Eine Region in der sich Leichen und Kadaver von Meeresbewohnern genauso im Uhrzeigersinn drehen, wie die gigantischen Mengen an Kunststoffabfällen.

Woher kommt der Kunststoff-Müll?

 Polluted Beach, Rotes Meer vor Ägypten

Polluted Beach, Rotes Meer vor Ägypten – BILD: © [Vberger] / Wikimedia Commons

Doch wo kommt der ganze Müll her und warum sammelt er sich genau an dieser Stelle? Als Herkunft sind mehrere Quellen bekannt. Zum einen sind es mutwillig entladene Schiffsabfälle und verloren gegangene Schiffsfrachten. Beispielsweise verlor der Frachter „Hansa Carrier“ im Jahr 1990 über 60.000 Sportschuhe. Diese werden bis heute sukzessive an die Küste Alaskas angespült. Einen weiteren Teil machen Naturkatastrophen aus. So wird behauptet, dass das Tōhoku-Erdbeben 2011 und der folgende Tsunami in Japan, allein so viele Gegenstände in das Meer gespült hat, dass diese eine Fläche von der Größe Deutschlands abdecken. Doch die wohl größte Nährquelle für diesen gigantische Abfallstrudel ist falsch bis gar nicht entsorgter Kunststoffmüll. Dieser wird über Flüsse ins Meer geschwemmt und von den kreisenden Strömungen im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean angezogen. Die Müllteppiche zirkulieren dann mit einer, wie im nordpazifischen Strudel, durchschnittlichen Geschwindigkeit von 0,4 km/h immer weiter.

Warum gerade Kunststoff?

Warum ist gerade Kunststoff der Umweltkatastrophe am nächsten, es werden doch auch Stoffe, Glas und andere Materialien angeschwemmt. Die Antwort ist denkbar einfach. Plastik verrottet erst nach 500 Jahren. Alle anderen Materialien zersetzen sich früher oder sind umwelttechnisch unbedenklich, bis auf wenige Ausnahmen. Der Plastikschrott ist deswegen so unglaublich gefährlich, da er Stoffe wie Weichmacher enthält, diese sind hoch giftig und stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Durch die ständige Reibung, Bewegung und Sonneneinstrahlung zersetzt sich der Kunststoff in kleinste Einzelteile. Plankton, Muscheln und Fische filtern diese als Nahrung und verseuchen sich damit. Genau diese Meerestiere landen am Ende in unserer Nahrungskette. Somit belastet der Kunststoffmüll nicht nur die Fauna, sondern fällt auch auf kurz oder lang, massiv auf den Menschen zurück. Von den Verschmutzungen der Strudelrandgebiete möchte ich gar nicht erst sprechen, denn diese gleichen einer riesen angespülten Müllhalde.

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Ausmaß der Kunststoff-Katastrophe

Toter Albatros mit Plastik im Magen

Toter Albatros mit Plastik im Magen – BILD: [by Forest & Kim Starr USGS]

Welches Ausmaß hat die Katastrophe? Bis lang sind fünf große zirkulierende Kunststoffströmungen bekannt. Das „Indian Ocean Gyre“, „South Atlantic Gyre“, „North Atlantic Gyre“, „South Pacific Gyre“ und das „North Pacific Gyre“. Letzteres ist der größte bekannte Wirbel . Dieser erstreckt sich auf einer Fläche von 20 Millionen Km². Dabei wird geschätzt, dass sich auf einen Quadratkilometer über 200.000 Kleinteile erstrecken. Um dies zu veranschaulichen, stelle dir vor, dass eine Fläche 60 mal so groß wie Deutschland (ca 357.000 km²) betroffen ist. Dabei ist jeder Quadratkilometer (bspw. 1 km x 1 km) gepflastert mit mehr als 200.000 Plastikkleinteilen. Da würde sich doch ein jeder wohlfühlen, wenn nicht Schnee die Straße versperrt, sondern ein riesen Haufen bunter Giftmüll. Dazu möchte ich anmerken, dass das nur einer von fünf Verwirbelungen ist!!

Was wird dagegen getan?

Was wird dagegen unternommen? So gesehen nicht viel! Denn die Strömungen liegen allesamt in internationalen Gewässern, somit fühlt sich keine Regierung dafür verantwortlich. Dennoch gibt es Bewegungen in die richtige Richtung, die meiner Meinung jedoch viel zu lasch sind. So wurde in mehreren Ländern der Pfand für Plastikflaschen eingeführt bzw. erhöht. Zudem wurde bereits 1998 ein internationales Abkommen getroffen, dass kommerzielle Schifffrachter, ein Mülltagebuch führen müssen. Dieses wird im Hafen quittiert, dabei ist eine kostenfreie Müllentsorgung in jedem Hafen obligatorisch. Weiterhin gibt es Forschungen, welche leichter abbaubare Kunststoffe hervorbringen sollen, sozusagen ozeanoptimierte Polymere.

Eine vielversprechende Initiative möchte ich noch vorstellen. Die freie Organisation (Nichtregierungsorganisation) „Green Ocean“ startete 2006 ein Pilotprojekt, bei dem Plastikmüll von Fischern angekauft wird. Bisher ist diese Bewegung leider nur lokal auf Livorno in Italien beschränkt, da schlicht und einfach die monetären Mittel fehlen. Nichtsdestotrotz konnten schon Kunststoffe für 1,8 Millionen Euro angekauft werden. Ein guter Anfang!

Rechnung

Am Ende noch ein kleines Rechenbeispiel: Allein das „Great Pacific Garbage Patch“ (North + South Pacific Gyre) mit gesamt geschätzten 100.000.000 Tonnen Kunststoff, trägt einen enormen Wert. Bei einem aktuellen Kunststoffpreis zwischen 1.150 und 1.750 € (je nach Kunststoffart) pro Tonne, kann man den kompletten Wirbelkomplex auf ca. 115 Milliarden Euro schätzen (100 Mt x 1.150 €). Bei immer knapper werdendem Rohöl, welches essentieller Bestandteil des Kunststoffs ist, und damit steigenden Wert, dürfte diese Schätzsumme wohl in den nächsten Jahrzenten noch deutlich ansteigen. Lukrativ, oder?

MrKnowing

Programmierer und Wissensnerd! Kontaktiere mich auf Google+ oder einfach per Mail danny@mrknowing.com

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3 Responses

  1. Blogger AG sagt:

    Reblogged this on Blogger AG und kommentierte:
    Und noch mal zum Thema Müllberge: Wer diesen Blogpost liest wird den weggeworfenen Joghurtbecher in Zukunft mit anderen Augen betrachten. Gigantische, ländergroße Plastikmüll-Teppiche in den Meeren, zirkulierende Kunststoffströmungen – eine Umweltkatastrophe, über die niemand spricht und die auch mir nicht bewusst war. Das Problem: Plastik verrottet erst nach 500 Jahren und enthält außerdem giftige Stoffe.
    Der Blogger MrKnowing beschreibt das Ausmaß der stillen Katastrophe. Er stellt die Fragen, was sie für die (menschliche) Nahrungskette bedeutet und was dagegen getan wird oder getan werden könnte. Es ist wirklich eine Schande – wir rebloggen, um die Problematik bekannter zu machen. Aber zumindest der Blogpost hat ein Happy End 🙂

  2. Clemens sagt:

    Viel mehr Menschen sollte diesen Artikel lesen, damit ihnen mal endlich ein Licht aufgeht.

  3. mrKnowing sagt:

    Ja das denke ich auch. Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass heute kaum noch jemand nachdenkt wo Produkte/Verpackungen/usw. herkommen und vorallem was danach mit ihnen passiert. … daher gebe ich dir uneingeschränkt Recht 😉

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